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Gabriele Lucke

Alte Leidenschaft, neu entdeckt

Hajo Plötz.jpgStellen Sie sich vor, Sie (männlich) lassen sich von einer Sport-Heilpraktikerin in Hamburg behandeln, Sie kommen auf Tennis zu sprechen und sie sagt ja, ja, das habe sie auch einmal gespielt. „Früher, als die Wirbelsäule noch mitmachte“. „Nun denn,“ sagen Sie, und weil Sie die Therapeutin sehr sympathisch finden, auch noch diesen verhängnisvollen Satz: „Wollen Sie es nicht einmal wieder versuchen? Wir könnten ja mal gemeinsam an den Ball hauen“. Und dann stehen Sie tatsächlich mit Gabriele Lucke auf dem Platz, vielleicht hat sie Ihnen auch schon das Du angeboten und heißt nun Gabi, und der Platz ist nicht irgendwo, sondern auch noch zufällig bei TSV Duwo 08 – wo es viele fachkundige Vereinsmitglieder gibt, die das auf Anhieb sehen: a) dass Sie nicht die Spur einer Chance haben, gegen die Dame mitzuhalten, und b) dass diese Powerfrau mit dem unglaublich schnellen Schlag dem Tennissport nicht verloren gehen darf.

Und (fast) genau so begab es sich vor nicht allzu vielen Jahren, dass Gabriele Lucke an ihre alte Leidenschaft erinnert wurde und seitdem Deutsche Meisterin (2010), Hamburger und Deutsche Hallen-Meisterin (2011) und Vize-Europameisterin in Baden-Baden (2011) bei den Damen 40 wurde. Doch diese neue Leidenschaft ist eigentlich mit der alten gar nichso recht zu vergleichen, denn nun macht sie das sozusagen als „Bonus“, nur aus Spaß an der Bewegung und aus Freude am Zusammensein mit Tennisfreunden. Das macht lockerer, die Erfolge stellen sich wie von selbst ein.

Letzte Damen–Tennismeisterin der DDR

Und früher? Nun, im August 1970 in Leipzig geboren, wohnte Gabi direkt gegenüber der Tennisanlage vom LSC 1901. Als ihre Mutter merkte, dass die Fünfjährige die Tennisbälle mit ihrem Tischtennisschläger sehr treffsicher ans Garagentor hämmerte, fand sie einen Fürsprecher im Club, der sich des Mädels annahm. Sehr diszipliniert wurde mit dem Trainer-Mentor trainiert– in den Ferien immer pünktlich ab 8:15 Uhr, und schnell gab es die ersten Erfolge von den Bezirks- bis zu den DDR-Meisterschaften. Mit den Pokalen häuften sich die Träume, doch viele blieben der DDR-Bürgerin versagt. So musste sie als 14-Jährige das Angebot von Björn Borgs Trainer Lennart Bergelin, sie nach Uppsala zu holen, ausschlagen.

1989 wird alles anders: Im Sommer wird Gabi Lucke noch die letzte offizielle Damen-Tennismeisterin der DDR, baut ihr Abitur, wird 19 Jahre alt, im November fällt die Mauer: Die junge Erwachsene geht nach Bielefeld, lebt als Tennistrainerin vom Tennis, lebt für das Tennis und genießt die Freiheit. Zur deutschen Damenspitze reicht es nicht ganz,weil sie ohne Sponsor zwar den ganzen Tag auf dem Platz steht, aber andere trainieren muss, statt sich selbst weiter voran zu bringen. Aber doch: Tennis, Tennis, Tennis – bis ein Tennisunfall 1996 wieder alles verändert: Wirbelbruch.

Auf diesem schmerzhaften Umweg, und über einen chinesischen Mediziner, entdeckt sie ihr Faible fürs Heilen und macht – in Hamburg, weil auch ihre Eltern inzwischen dort wohnen – eine Ausbildung zur Heilpraktikerin und Sport-Heilpraktikerin. Sie erwirbt Zusatzqualifikationen in Chiropraktik, Osteopathie und Neuraltherapie, eröffnet eine eigene Praxis in Poppenbüttel, wird Mutter – ihr kleiner Franz ist inzwischen 4 Jahre alt – , macht immer mal wieder Urlaube auf Hiddensee oder kraxelt im Vinschgau ... und hätte fast vergessen, was für eine begnadete Tennisspielerin sie ist. Zum Glück nur fast!

Jörg-Ingo Peter

Susanne Veismann

Mit Köpfchen und mit guten Kopfnoten

Susanne VeismannIm Tennis gibt es keine Kopfnoten, da zählt nur das nackte Ergebnis. Das Arbeits- und Sozialverhalten auf und neben dem Platz wird nicht bewertet, zumindest nicht im Endergebnis oder in der Rangliste. Wenn man der engagierten Grundschullehrerin und aktuellen Nr. 1 der deutschen Damen 45 aber ein Zeugnis ausstellen dürfte, dann käme man an dieser Formulierung nicht vorbei: „verdient besondere Anerkennung“. Das ist nämlich das Optimum in Niedersachsen, wo Susanne Veismann lehrt, in einem sozialen Brennpunkt ihrer Osnabrücker Heimatstadt genauer. Dort hat sie es mit einem multikulturellen Nachwuchs zu tun, den sie an möglichst viel Bildung heranführen und ihm den Spaß am Lernen vermitteln möchte.

Schon das verdient besondere Anerkennung, aber Ihre Tenniserfolge zweifellos auch: Die 46-Jährige ist vielfache Niedersachsen- und norddeutsche Meisterin, achtfache Deutsche Vizemeisterin, Deutsche Meisterin 2005, holte die Bronzemedaille der Damen 40 bei der WM 2010 in Mexiko, hatte vier Einsätze in der Nationalmannschaft, nahm mit ihrem Club DTV Hannover an der Endrunde der deutschen Vereinsmeisterschaften teil und wurde mit ihm mehrfacher Norddeutscher Mannschaftsmeister, zuletzt auch in der Winterrunde 2010/11. Viele Erfolge bei ITF-Turnieren wie Krefeld, Ottersweier, Münster und Internationale Westfälische Meisterschaften in Bielefeld konnte Susanne Veismann in 2010 feiern.

Gegen die Gräfin kann man schon mal verlieren

Dabei waren die Erfolge des Apple-Freaks – iBook, iPad und iPhone 4 gehören zur Standardausstattung – keineswegs programmiert. Sie kam nicht aus einer Tennisfamilie, sondern hat im Gegenteil erst die Eltern zu diesem Ballspiel gebracht. Mit 9 Jahren fiel die Entscheidung gegen das Voltigieren für die richtige (!) Sportart, in der Jugend kam sie aber nicht über Bezirksmeistertitel hinaus. Richtige Erfolge stellten sich erst später im Damenbereich und den Altersklassen ein. Die 0:6, 1:6 Niederlage gegen die 17-jährige Steffi Graf könnte man auch schon fast als Erfolg werten, schließlich war das in dem Jahr 1987, als die Gräfin den Tennisthron erklomm.

Ob Susanne Veismann damals schon so eine relaxte Einstellung zum Tennissport hatte wie heute, darf bezweifelt werden: Sich tagsüber zu fordern und Abends gesellig zusammen zu sitzen, sei doch schließlich der Sinn von Turnieren, bei denen sie schon viele liebe Menschen kennen gelernt habe, mit denen sie auch außerhalb von Turnieren Kontakt hält.

Die Grundlage ihrer späteren Erfolge dürften zum einen in Susanne Veismanns hervorragender Fitness liegen, die sich die allseits Sportbegeisterte u. a. durch Rennradfahren und Laufen („macht meinen Kopf frei und entspannt mich“) erhält. Kein Wunder, dass das längste Match ihrer Karriere mit 4 h 20 länger gedauert hat, als ihr schnellster Marathon: Der war schon in 3 h 57 absolviert.

Der andere Grund, dass die passionierte Mini-Fahrerin heute gegen Spielerinnen gewinnt, die sie früher noch hoch geschlagen haben: ihr guter Kopf. Die richtige Einstellung, die richtige Motivation, die richtige mentale Stärke – eine gute Kopfnote also.

Jörg-Ingo Peter

Hajo Plötz

Meister aller Klassen

Hajo Plötz.jpg„Unschlagbar gut: Hajo Plötz“ empfängt mich die Telefonwarteschleife seines Berliner Sportgeschäftes. Damit ist sicherlich nicht nur der Service des auf Tennis- und Golfausrüstung spezialisierten Fachgeschäftes gemeint, sondern auch der sportliche Erfolg seines prominenten Senior-Chefs. Denn Hans-Joachim Hajo Plötz hat im Tennis einen Rekord erzielt, den auf lange Sicht niemand so bald einstellen wird: Er ist der einzige Spieler, der bisher in allen Altersklassen ab 14 bis 65 Jahre Deutscher Meister wurde!

Was er 1958 als Deutscher Einzelmeister der Bambinos in Köln begann, vollendete er im Jahre 2010 in Bad Neuenahr mit einem 7:5, 6:2 gegen Karl-Heinz Schäfer vom TC Seelbach. Zwischen diesen beiden Erfolgen liegt eine erfolgreiche Tenniskarriere, die über deutsche Jugend-Meisterschaften Anfang der Sechziger Jahre und Doppel-/Mixed- und Einzelmeisterschaften bei den Herren in eine Profikarriere bis 1976 mündete.

Vom DTB und seinem damaligen Präsidenten Fritz Kütemeyer gefördert, der ihm seinerzeit in Hannover auch Kost und Logis bot, wurde Plötz zu internationalen Turnieren eingeladen und konnte im Winter in Südafrika trainieren – Tennishallen waren hier ja noch rar gesät. Die größten Erfolge des für TC 1899 BW Berlin aufschlagenden Rechtshänders waren dabei der Turniererfolg bei den Internationalen Meisterschaften in Stuttgart, das Achtelfinale in Wimbledon, der 5-Satzsieg gegen Guillermo Vilas im Semifinale am Hamburger Rothenbaum und – was auch nur wenigen deutschen Spielern gelang – der Sieg über Björn Borg 1975 in Toronto.

Sport und Leidenschaft

Nach der Profikarriere blieb der gebürtige Berliner seiner Heimatstadt und dem Sport verbunden – und sei nen Erfolgen, die er ab 1983 auch als Jungsenior und ab 1991 als Senior fortsetzte. Im 1976 eröffneten Sportgeschäft am Hohenzollerndamm bestimmen Tennis und Golf – auch das ist eine Leidenschaft, die Hajo Plötz erfolgreich beherrscht – das Sortiment. Das Familiengeschäft wird inzwischen von Sohn Benjamin fortgeführt, Vater Hajo nimmt aber noch viel Anteil daran, wenn er nicht gerade in seinem Domizil in Südafrika ist – eine schöne Angewohnheit, der er seit seinen Profijahren treu geblieben ist.

In Berlin trainiert Hajo Plötz zwei bis dreimal wöchentlich mit seinen Kollegen aus der 60er-Mannschaft, mit der er Berliner Meister und auch zweimal Deutscher Meister geworden ist. Mit Jüngeren eher nicht – das topspin-lastige Spiel sei zum Eintrainieren von Spielsituationen für den Seniorenbereich eher ungeeignet, meint der 66-Jährige.

So bleiben denn drei bis fünf Senioren-Events pro Jahr, an denen Plötz teilnimmt – Bad Neuenahr immer gerne inklusive, weil es „eines der bestorganisierten Turniere mit einer tollen Atmosphäre“ ist. Wenn er 2011 dort antritt, wird er wieder bestens vorbereitet sein, obwohl er sein Ziel in der Altersklasse 65 ja bereits in diesem Jahr erreicht hat. Richtig rechnen muss man mit ihm garantiert im Jahre 2014: Frühestens da kann Hajo Plötz seine Serie fortsetzen und den Titel in der nächsten Altersklasse einfahren. Bei den 70-ern dann.

Jörg-Ingo Peter

Michael Kocher

Saisonarbeiter auf roter Asche

Michael KocherAus Filderstadt kommt der neue Herren-40-Europameister, einem Ort im Schwäbischen also, der bei TennisInfizierten automatisch die Assoziationskette schnelle Autos, Hallentennis und Steffi Graf in Gang setzt. Ob Michael Kocher mit einem teuren Schlitten unterwegs ist, wissen wir nicht – seine schwäbische Erdung spräche aber eher dagegen.

Dass Hallentennis nicht so sein Ding ist, steht fest: Sein Lieblingsbelag ist der langsamere rote Sand. Und von Mitte Oktober bis Mitte März gönnt sich der Werbefachmann eh eine längere Pause vom Tennis: Als Mitinhaber einer elterlichen Werbeagentur hat er sich jetzt verstärkt um seine wichtigsten Kunden zu kümmern, an deren Geschäftsberichten und Katalogen zu dieser Jahreszeit mit Hochdruck gearbeitet wird. WMTeilnahmen in Mexiko oder Neuseeland im Winter würden schon allein daran scheitern, zumal es auch keine finanzielle Unterstützung vom DTB gibt.

Bliebe noch die Frage mit Steffi Graf und Filderstadt zu klären: Als die damals 13-Jährige 1982 in Michael Kochers Heimatstadt debütierte (sie verlor 4:6 und 0:6 gegen Tracy Austin), hatte Tennis schon einen großen Stellenwert im Leben des 15-jährigen Jungen eingenommen: Wegen fehlender Jugendarbeit hatte er seinen Club TC Stetten bereits Richtung TC Bernhausen verlassen. Dort wurde Michael Kocher unter den Fittichen von Zeljko Tomazic Deutscher Vizemeister der Junioren. 1985 war das, als übrigens auch Steffi Graf wieder in Filderstadt aufkreuzte, um mit einem Sieg über Claudia Kohde-Kilsch erstmalig das Finale zu erreichen.

Sportliche Heimat in Backnang gefunden

Über die Herren-Oberliga in Bernhausen und den TC Weißenhof Stuttgart, wo es von der Regionalliga Südwest 1989 bis in die Bundesliga ging, und über die RegionalligaStationen TC Ravensburg, TC Waiblingen und TC Konstanz führte Kochers Weg 1998 zu dem Club, dem er bis heute die Treue gehalten hat: die TSG Backnang, etwa 50 km von seiner Heimat entfernt.

Führte die aktuelle Nr. 1 der deutschen Herren-40-Rangliste zu seiner aktiven Zeit bis vor ein paar Jahren noch ein semiprofessionelles Leben, lässt sie es tennismäßig nun ein wenig ruhiger angehen: Spitzenspieler in der Regionalliga-Mannschaft Herren 40, einmal wöchentlich Training – natürlich nur im Sommer! Ein paar hochkarätige Turniere, die gerne auch touristisch zu einem Kurzurlaub mit seiner Partnerin passen, wie Klagenfurt am Wörthersee, Klosters im Kanton Graubünden oder Font de Sa Cala auf Mallorca. „Wo man selbst dann noch gerne verweilt, wenn man frühzeitig aus dem Turnier fliegt,“sagt der 42-Jährige. Wobei ihm das in letzter Zeit nicht allzu oft passiert sein dürfte – umsonst wird man nicht Spitzenreiter der ITF-Weltrangliste. Diese Top-Position erreichte der Schwabe mit dem Herren-40-Turniersieg bei der EM in Baden-Baden (siehe Seite 4), dem „bestbesetzten Turnier, das ich je gespielt habe. Einen Sieg habe ich mir in der Konkurrenz mit Spielern wie Aberg, Penirschke, Groen, Eisele und Arraya nicht ausgerechnet. Aber an Nr. 1 gesetzt, hatte ich auch eine ganz gute Auslosung,“ sagt der sympathische Champion in seinem gewohnten Understatement.

Seine Bescheidenheit – ein Wesenszug, von dem auch andere profitieren. Denn neben Squash (sogar im Winter!) spielt der begeisterte VfB Stuttgart-Fan mit Dauerkarte auch sehr passabel Golf (Handicap 14,1), wenn es die Zeit zulässt, und organisiert zusammen mit seinem Freund Mark Podschadly jährlich ein Benefiz-Golf-Turnier. In den letzten zehn Jahren sind so immerhin schon 30.000 Euro zugunsten behinderter Kinder zusammen gekommen. Und das alles im Sommer, wenn der Saisonarbeiter Michael Kocher statt auf dem Green eigentlich auf roter Asche aktiv sein müsste!

Jörg-Ingo Peter

Alfred Böckl

„Phantom“ mit Präzision

Alfred BöcklBeim 1. FC Nürnberg, dem nächstgelegenen FußballBundesligisten des Oberpfälzers, gibt es einen Spieler, den sie vor noch nicht allzu langer Zeit das Phantom nannten: Im ganzen Spiel hatte man kaum etwas von ihm gesehen, und doch schlug er mit schöner Regelmäßigkeit zu, um sich an die Spitze der Torjäger zu schießen. So ein bisschen erinnert auch Alfred Böckl an dieses Phantom: Kommt nur alle paar Monate mal zu einem hochkarätigen Turnier, gewinnt, und verschwindet zunächst wieder in der Versenkung seiner Weidener Heimat. Wobei es für beides gute Gründe gibt: für die Erfolge, wenn er auftaucht, und für die Pausen, wenn er abtaucht.

Um mit den Erfolgen zu beginnen: Seit 2005 ist der Linkshänder mehrfacher Deutscher und Europameister in der Halle und im Freien, sowohl im Einzel als auch im Doppel der Herren 55; aktuell wurde er in Seefeld auch Halleneuropameister im Einzel und Doppel der AK 60.

Dabei lebt Fred Böckl nicht gerade von der Härte seiner Schläge, und auch mit einem Bombenaufschlag kann er nicht dienen – wie auch bei nur 65 kg bei 1,78 cm Größe? Der Allround-Sportler hat einfach das richtige Gefühl für die Größe des Courts. Mit äußerster Präzision setzt Böckl seine Bälle, oft mit punktbringenden Volleys, ist sehr schnell auf den Beinen und zermürbt seine Gegner mit schöner Regelmäßigkeit. In Seefeld war es im Finale der Däne Kaspar Rud – als amtierender Europameister auch nicht gerade Laufkundschaft, und auch im Doppel hatte der Däne mit seinem Landsmann Frans Norby das Nachsehen gegen Böckl an der Seite von Xavier de Villepin.

Ohne Training in der Bezirksliga

Tennis spielen gelernt hat der noch 59-Jährige erst mit 16, 17 Jahren, als sein Mathelehrer in Tirschenreuth auf sein Talent aufmerksam wurde und ihn förderte. Kaum mal regelmäßig trainiert, ging es über die Stationen TC Tirschenreuth, Schwarz Rot Würzburg, Grün Rot Weiden und Postkeller Weiden vonder Bezirks- in die Oberliga. Im Seniorenbereich erst sorichtig mit dem Spaß, sich auf höherer Ebene zu messen, spielte der zweifache Vater und Großvater zuletzt bei den 55er-Herren des TC Johannesberg Düsseldorf, ab diesem Jahr nun verstärkt Böckl die 60er-Herren von Luitpoldpark München.

Äußerste Präzision ist auch bei der Turnierplanung notwendig. Denn Alfred Böckl ist Lehrer – seit 39 Jahren bereits unterrichtet er vorwiegend Sport an einer Weidener Hauptschule. Die meisten Turniere finden aber gerade außerhalb der Schulferien statt – wenn die Hotels nicht gerade durch Feriengäste blockiert sind, um es mal positiv auszudrücken. Zehn Tage Sonderurlaub gewährt ihm sein höchster Dienstherr für die Teilnahme an deutschen und internationalen Meisterschaften. Da bleiben praktisch nur die T1-Turniere, um seinen Ranglistenstatus zu erhalten: In der deutschen H60 ist er an Nr. 2, in der ITF als bester Deutscher an Nr. 3 platziert. Ganz schön hoch für einen Mann, der von sich selbst sagt, nur Hobbyspieler zu sein. Aber eben mit einer solchen Präzision, dass auch ehemalige Daviscup-Spieler schon mal auf der Strecke bleiben. Ein typischer Fall von Phantom eben ...

Jörg-Ingo Peter

Franz Stauder

Großes Tennis auch in der kleinen Stadt

Franz StauderKann man sich in Ostwestfalen heimisch fühlen, wenn man schon mal in Paris, London, Melbourne und New York seiner Arbeit nachgegangen ist? Und wenn man dazu noch in Worms aufgewachsen ist, wo die Weinreben ja bekanntlich nicht nur die Landschaft prägen, sondern auch die Mentalität der Menschen, die so ganz anders sind als die Westfalen? Man kann! „Sehr gut sogar,“ sagt Franz Stauder, „Espelkamp ist mir nach inzwischen sechs Jahren eine Herzensangelegenheit geworden. Ich habe hier einen guten Job, eine schöne Wohnung und viele gute Freunde.“

Zum Job, das muss man wissen, gehört Tennis, Tennis und noch mal Tennis. Als Trainer im TV Espelkamp-Mittwald, der dem Engagement seines Hauptsponsors Paul Gauselmann viel zu verdanken hat, hat der 33-Jährige viele Spieler und Mannschaften, von den Senioren bis zu den Kindern, unter seinen Fittichen. Von montags bis freitags steht er oft bis in den Abend hinein auf dem Platz bzw. in der Halle. Mit einer großen Ruhe und Geduld – vielleicht ist das die westfälischeSeite des Mannes aus Rheinland-Pfalz.

Publikumsliebling und Leitwolf

Die lebhaftere, die rheinhessische Variante seines Charakters erlebt man, wenn Franz Stauder Teil zwei seines Jobs nachgeht. Dann ist er höchst emotional, führt Selbstgespräche, flucht, jammert, hadert, feuert sich an. Einer seiner Klassiker: „Na toll, ein Aufschlag mit einem Stundenkilometer, und ich komme nicht ran!“ Das ist der Franz Stauder, wie ihn das Publikum liebt in der Bundesligatruppe des Clubs. Trotz dieser sehenswerten Auftritte konnte der Abstieg in die zweite Liga 2009 nicht verhindert werden, 2010 soll es aber wieder in die obere Etage gehen.

Die Erfahrung des Leitwolfs wird dazu gebraucht. Und das Können, das dem damals 18-Jährigen schon zu seiner ersten Station in Westfalen verholfen hatte: Zusammen mit Spielern wie Nicolas Kiefer ging er in das Tennisteam von Gerry Weber in Halle – und von da aus zu allen großen und kleinen Turnieren auf der Tour. 1999 erreichte er mit Platz 288 im Einzel und 108 im Doppel seine höchsten Positionen in der Weltrangliste. Mit 26 Jahren fehlte die Motivation, es folgte das Sportstudium in Trier und eine dreijährige Verletzungspause (Bandscheibe).

Jetzt macht ihm Tennis wieder Spaß! Der Fokus liegt auf der Bundesliga, woher auch die meisten Punkte stammen, die Franz Stauder an Position 7 der aktuellen deutschen H30-Rangliste gebracht haben – hinter so klangvollen Namen wie Haas, Berrer, Schüttler, Phau, Kiefer und Grünes. Viele Turniere im Seniorenbereich hat er nämlich noch nicht gespielt – immer nur ein wenig zur Vorbereitung der Bundesliga oder zum Einspielen nach Verletzungspause. Aber auch das mit Erfolg: Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften 2009 in Eggenstein scheiterte er erst im Halbfinale an Daniel Dolbea. In diesem Jahr findet die Freiluft-DM der 30-er und 35-er im August ausgerechnet in Stauders Heimatstadt Worms statt. Ob er dabei ist? „Mal sehen, ... die Bundesliga hat auf alle Fälle Priorität!“

Jörg-Ingo Peter

Horst-Dieter van de Loo

Vom Balljungen zum Titelsammler

Horst-Dieter-van-de-LooDie 25 Pfennige, die der achtjährige H.D. für seinen ersten Einsatz auf dem Tennisplatz in die kleine Hand gedrückt bekam, die hat er bis heute nicht vergessen: „zwei Groschen, zwei Zweier und ein Einpfennigstück“ waren der Lohn für eine Stunde Bällesammeln. Das war am Niederrhein, in einem der schönsten Clubs dort, dem Landtennisklub Grün-Weiß Moyland, in dem Horst-Dieter van de Loo 15 Jahre sein Zuhause hatte. Sein Vater war Platzwart der Anlage, die in den Park des altehrwürdigen Schlosses Moyland eingebettet ist, und seine Mutter führte die Clubgastronomie.

Da ergab es sich Anfang der Fünfziger Jahre fast zwangsläufig, dass der Junge nach den ersten Berührungen mit dem Filzball auch zum Schläger greifen konnte. Und dass er schon bald zeigen konnte, dass er die Bewegungen eines Tennisspielers sehr gut lesen und imitieren konnte. Bei den deutschen Balljungen-Meisterschaften in Ludwigshafen gewann er den Titel. Jahre später gelang mit dem HTC Blau-Weiß Krefeld der Start in die neu gegründete Bundesliga.

Mit 15 Jahren gab er seine ersten Trainerstunden. Nach Abi, Bundeswehr und (abgebrochenem) Sportstudium entschloss er sich, als Tennislehrer zu arbeiten, staatlich geprüft und mit DTBA- Lizenz. Stationen waren u.a. Bezirkstrainer des Linken Niederrhein, Clubs in Geldern, Moers, Krefeld und – bis heute – Goch. Bereits in jungen Jahren musste er zusammen mit seinen beiden Kindern den Tod seiner ersten Ehefrau verkraften.

Erster DM-Titel mit 49, jetzt 49 DM-Titel

Viele Jahre lang war Ruhe an der Titelfront. Erst als van de Loo seine zweite Ehefrau Petra kennen gelernt hatte, die selbst eine gute Tennisspielerin ist, hat es auch auf dem Platz klick gemacht: Die Lust an der gemeinsamen Freizeitgestaltung mit ihr machte ihn zum überzeugten Turnierspieler. „Meinen ersten Einzel-Titel habe ich erst mit 49 geholt,“ sagt er. Doch das war dann der Auftakt zu einer beeindruckenden Serie. Titel gab es auch bei den EMs im Doppel und Mixed; drei Mal Vize bei den WMs in der Mannschaft bzw. Doppel.

Weil der Niederrheiner 2001 für ein Interview gebeten wurde, seine DM Titel einmal nachzuzählen, hat er begonnen, deren Anzahl nachzuhalten: Nr. 48 und Nr. 49 sind es 2012 geworden, als er in Bad Neuenahr gegen Stephan Koudelka die AK 65 gewann und mit ihm zusammen das Doppel in derselben Altersklasse.

Bei der Hallen-DM in Essen, in seinem Heimatverband, kann der neue Spielersprecher der deutschen Tennissenioren dann gewiss den DM-Titel Nr. 50 holen. Bis dahin hofft er, wieder fit zu werden durch tägliches Radeln, manuelle Therapie und gezieltes Krafttraining – haben ihm doch Verletzungen in den letzten Monaten einige Striche durch die Rechnung gemacht. Weil er denkt, dass zum Tennis grundsätzlich athletische und psychische Fähigkeiten gehören, ist er gegen den Match-Tiebreak als Basis. In einer gewissen Not würde er ihn für gut halten.

Bei 1,80 m Körpergröße liegt sein bestes Kampfgewicht bei 86 kg. Es wieder zu erreichen, liegt auch in seiner Hand als Halbtagshausmann. Der für das Kochen zuständig ist, wenn seine Frau Petra in ihrem Steuerberatungsbüro tätig ist. Beide wollen ihre Berufstätigkeit aber langsam ausklingen lassen: für gemeinsame Urlaube, mit viel Tennis, auch mit EMs und WMs und DMs. Und wenn H.D. dann seine Titel vielleicht nicht mehr zählen kann – an die ersten 25 Pfennige wird er sich bestimmt noch erinnern.

Jörg-Ingo Peter

Natascha Harina-Beckmann

Erste Klasse auch in der zweiten Heimat

Natascha-Harina-BeckmannWie intensiv die Gefühle an die erste Heimat auch nach vielen Jahren bleiben, wird sich niemand vorstellen können, der es nicht selbst erlebt hat. Natalia – wie sie auch in ihrem offiziellen deutschen Pass heißt, oder Natascha, wie alle Natalias in ihrer weißrussichen Heimat gerufen werden – Natascha also erlebt auch heute noch immer Momente voller Sehnsucht und Sentimentalität, die ihren schönen dunklen Augen einen ganz verklärten Blick geben.

Dabei fühlt sich Natascha in ihrer neuen Heimat wohl und hat allen Grund, glücklich zu sein. In Rheine lebt sie seit Herbst 1996 an der Seite von Manfred Beckmann, den sie erst ein paar Monate zuvor in Minsk am Rande eines Senioren- Fußballturniers kennen gelernt hatte. Liebe auf den ersten Blick, die kurzfristig zum Ausreiseantrag und zur Übersiedlung zusammen mit ihrem damals 9-jährigen Sohn Alexej führte. Und zum Entzug der weißrussischen Staatsbürgerschaft.

Auch wenn der Staat nach der Auflösung der Sowjetunion vom international isolierten Präsidenten Alexander Lukaschenko autoritär regiert wird, verbindet die heute 45-Jährige an Land und Leute vornehmlich gute Erinnerungen – Trainingsspiele mit dem Präsidenten inklusive, der die damals 27-Jährige bei einem Match beobachtet und für sein persönliches Training engagiert hatte.

Mit neun Jahren begann sie ihre Tennis-Karriere: „Per Zeitungsanzeige wurden Kinder in Minsk dazu aufgerufen, Tennis auszuprobieren.“ Natascha schlug ein paar Bälle übers Netz, überzeugte die Trainer, trainierte fortan bald täglich und mit der osteuropäischen Disziplin, die Kindern hier im Westen eher abgeht – die aktuellen Weltranglistenplätze der nachrückenden Generationen bestätigen das.

Unter den Besten der Sowjetunion

Mitte der 80er Jahre war Natascha Harina beste Spielerin ihres Landes und zählte zu den zehn besten der Sowjetunion, doch der internationale Durchbruch blieb aus. „Wir haben damals nur in der Sowjetunion gespielt, durften nicht in den Westen,“ erzählt Natascha, die dann mit 20 Jahren ihre erste Tenniskarriere aufgab, um sich für die Familie zu entscheiden.

Die zweite Tenniskarriere im Westen macht ihr umso mehr Spaß, weil sie mit vielen Reisen und vielen Erfolgen verbunden ist – Manfred Beckmann fast immer an ihrer Seite. Als Trainerin ist die Diplom-Sport- und Tennislehrerin in Rheine und Spelle aktiv, als Mannschaftsspielerin beim 100 km entfernten TC Herford in der Damenregionalliga 40 oder bei den Großen Spielen für den WTV, als Turnierspielerin bei praktisch allen T1 und T2-Turnieren: Ob Seefeld oder San Diego, Manavgat oder Münster, Essen oder Bad Neuenahr – am Ende ist die aktuelle Nr. 1 der deutschen Rangliste Damen 45 immer ganz vorne mit dabei.

Denn siegeshungrig ist Natascha Harina-Beckmann auch heute noch. Ganz wie damals ... aber das ist lange her!

Jörg-Ingo Peter

Sepp Baumgartner

Einfach Mensch sein!

Sepp-BaumgartnerDer Sepp hats einfach gut getroffen im Leben: Er wohnt da, wo andere Leute Urlaub machen, er hat seine Lieblingsbeschäftigung zum Beruf gemacht. Er hat eine phantastische Familie um sich herum, und um die Nachfolge scheint er sich auch nicht sorgen zu müssen. Und dann kann er auch noch das, was so viele andere gerne könnten: Tennis spielen und Skifahren wie ein Weltmeister.

Was ihm dann auch logischerweise reichlich Titel eingebracht hat: 6 x Weltmeister der Ski-Tennis-Kombination, 4 x Deutscher Meister der Tennislehrer, Internationaler Deutscher Meister, 2008 den Hallen-EM-Titel der Herren 55 in Seefeld und 2009 die Bronzemedaille bei der Mannschafts-WM der Herren 55 auf Mallorca zusammen mit Emmrich, Röpcke und Petrov. Doch geschenkt wird einem auch in diesem beschaulichen Waging nichts, in dieser hügeligen Chiemgau- Landschaft mit den grünen Wiesen und den vielen kleinen Kapellen, mit dem wärmsten Badesee Bayerns und dem Alpenpanorama im Hintergrund. Auch wenn es bei Sepp Baumgartner alles so spielerisch elegant aussieht und sich so lässig anhört in seinem oberbayerischen Dialekt – es steckt eine Menge Arbeit hinter dem, was er sich gemeinsam mit seiner Frau Hilde seit 1980 hier aufgebaut hat: Eine Tennisanlage mit vier Hallen- und sechs Sandplätzen mit einer professionellen Tennisschule und einem bestens geschulten Trainerteam. Daran angebunden ein Restaurant mit vorzüglicher Küche und ein schöner Wellnessgarten, die sich beide großen Zuspruchs in der Region erfreuen, sowie eine Boutique mit schönen Dingen aus aller Welt. Im Wohnhaus der Baumgartners – etwas oberhalb von Waging – gibt es vier wohnliche Appartements, und 2013 soll der Wellnessgarten noch vergrößert werden und ein kleines Hotel auf der Anlage entstehen. Alles zusammen eine Oase des Wohlgefühls mit einem schlichten Motto für die Gäste: „Einfach Mensch sein.“

2013 wieder mehr Turniere geplant

50 Mitarbeiter sind nun in dieses kleine Imperium eingebunden, und die Baumgartners immer mittendrin. Sepp, dem die Tenniskurse nach über 30 Jahren immer noch besonderen Spaß machen: „Ich liebe es, meinen Schülern eine gute Technik, Taktik und mentale Stärke zu vermitteln und die unterhaltsamen Gesellschaftsabende, die zu jedem Wochenkurs dazu gehören, mit ihnen zu verbringen.“ Hilde, die ihm drumherum den Rücken frei hält. Und Sohn Stefan, der das Büro im Tennis-Wellnessgarten leitet. Während Lena noch das Gymnasium in Traunstein besucht, könnten Sebastian – derzeit im Betriebswirtschaftsstudium und bei der Tennislehrerprüfung – und Florian – noch im Tourismus- und Managementstudium – schon recht bald in das Unternehmen eingebunden sein.

Vielleicht hat der Sepp dann auch wieder mehr Zeit, Turniere zu spielen. Mehr als zwei bis drei pro Jahr waren bei der Zeitbelastung bislang nicht drin, in der Mannschaft hat er zuletzt 2010 für Hemer gespielt. Aber 2013, nunmehr bei den Herren 60, will der Sepp wieder angreifen. Da er in den letzten Jahren immer wieder muskuläre Probleme hatte, bereitet er sich nun gezielt darauf vor: mit mehr Tennis, Laufen und Gymnastik. Und mit regelmäßigen Saunagängen und gelegentlicher Massage. Das hat der Sepp ja alles im Hause, so dass es ihm vermutlich gar nicht schwer fallen wird, auch selbst „einfach Mensch“ zu sein.

Jörg-Ingo Peter

Sabine Schmitz

Bringt jede Menge Farbe ins Spiel

Sabine-SchmitzColor up your life schreien uns die Mode-Beilagen der Zeitungen zu – 2012 sollen wir es wieder knallbunt treiben. Sabine Schmitz, obwohl bekennendes Fashion Victim, muss sich diesem Modediktat nicht extra unterwerfen: Ihren Style demonstriert sie schon immer perfekt in pink-, orange-, rosé- oder (am liebsten!) türkisfarbenen Looks. Da die Frau auch außerhalb der Courts viel Stil beweist, ist man besonders stolz auf sie im Tennisverband Niederrhein.

Jüngst erspielte die gebürtige Essenerin zwei Meistertitel bei den Deutschen Senioren-Hallenmeis terschaften im Einzel und Doppel der Damen 50 und ist damit eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen des Verbandes. Wettspielleiterin in der Regionalliga West, Beisitzerin im TVN-Vorstand und Sportwartin ihres Heimatvereins ETUF Essen sowie Geschäftsführerin der Essener Marketing GmbH für das Damen-Bundesligateam – mit Sponsorenakquise, Spielerverträgen, Terminkoordination etc. – sind hoch anzurechnende ehrenamtliche Aktivitäten von Sabine Schmitz außerhalb des Tennisplatzes. Eine gut versorgte Hausfrau, könnte man meinen – aber alle diese Aufgaben erledigt die studierte Erwachsenen- Pädagogin (engl./ frz.) neben ihrem eigenen Beruf, dem Coaching von Arztpraxen im Qualitätsmanagement.

Kofferträgerin für die Grande Dames

Sabine Schmitz’ Karriere begann schon früh als Jugendliche im Essener Renommierclub ETUF Essen, dort erzielte sie u. a. die Deutsche Vizemeisterschaft im Mädchen- Einzel und in jedem Jahr den Verbandsmeistertitel. Mit der 1. Damen-Bundesligamannschaft erzielte sie fünf Mal mit dem ETUF-Team die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft an der Seite der Grande Dames des deutschen Tennis, Helga Masthoff und Heide Orth. „In den ersten Jahren durfte ich immer die Koffer tragen ...“ so die Essenerin heute.

Sabine-Schmitz-mit-FamilieNach Studium und Geburt der drei Kinder lief Tennis auf Sparflamme, bis ihre Mannschaftskameradin Nuray Öztürk 2008 das Comeback einleitete: „Sie hat mich ohne mein Wissen im Einzel der Verbandsmeisterschaften gemeldet.“ Auf Anhieb gab es bei den Damen 45 den Vizetitel, und danach bis heute kein Halten mehr: Deutsche Meistertitel im Einzel und im Doppel, Europameisterin im Mixed, Vize-Europameisterin im Doppel mit Vereinskameradin Karin Plaggenborg und viele weitere Erfolge bei nationalen und internationalen Ranglistenturnieren. WM-Nominierungen in der Türkei und Mexiko folgten, und in diesem Jahr erreichte die leidenschaftliche Doppel-Spielerin Platz 7 bei der Team-WM in San Diego/Kalifornien.

Lesen, reisen (Italien immer gerne!), ein wenig fit halten mit Spinning oder auf der PowerPlate – wie sie das alles als Berufstätige, als Mutter, als Ehrenamtliche, als Sportlerin unter einen Hut bekommt, ist schon bewundernswert. „Na ja“, wiegelt sie ab, „die Kinder sind ja gut geraten und aus dem Haus, und die Kontakte zu vielen Freunden auf der Tour sind Motivation genug. Der Spaß steht im Vordergrund; ob ich am Ende ganz oben stehe oder nicht, ist nicht so wichtig.“ Wenn schon kein Gold oder Silber ... dann wenigstens Türkis!

Jürgen Müller/Jörg-Ingo Peter

Adi Hussmüller

Gröbenzeller Urgestein mit Charakter

Adi-HussmuellerEinen Mann, der älter ist als die Gemeinde, in der er lebt, und der dennoch wie ein Jungspund die rote Asche, die gelben Filzkugeln und die meist jüngeren Gegner bearbeitet – den muss man erstmal finden in unserer Lieblingssportart. Uns ist es gelungen, und wir mussten nicht einmal ins Oberbayerische Gröbenzell fahren, um ihn zu treffen: In Bad Neuenahr gibt er Jahr für Jahr sein Stelldichein. Für seine 39. Teilnahme wurde er jüngst geehrt, der einzige Spieler, der in allen Altersklassen von 45 bis 80 die DM gewonnen hat. 35 Titel sind es inzwischen geworden, dazu je zwei EM und WM-Titel im Doppel an der Seite von Lacy Legenstein. Im Sommer 2011 stand Adi Hussmüller wieder ganz oben auf dem Treppchen, zusammen mit Hugo Hahne gewann er das Herren-Doppel 85. Kein Wunder, dass Bad Neuenahr eines seiner Lieblingsturniere ist („bestens organisiert“), doch auch von den vielen Turnierteilnahmen in den USA, Australien und Südamerika kann der 85-Jährige eine Menge berichten. Wie er überhaupt viel erzählen könnte – Geschichten, die das Leben geschrieben hat für einen, der 1926 im rumänischen Banat zur Welt kommt, in jenen von vielen Unruhen und Wirren erfüllten Regionen und Zeiten. Von Rumänien verschlug es Hussmüller nach Ungarn und Tschechien, wo er noch im letzten Kriegsjahr eingezogen und an der Ostfront schwer verwundet wurde. Nach einem Lazarettaufenthalt in Österreich fand er schließlich in Bayern sein Lebensglück, erlernte mit 32 Jahren das Tennisspiel („leider viel zu spät!“) und arbeitete im Außendienst eines Dämmstoffherstellers.

Sein Credo: Fleiß und Mut

Gute Gene haben den Super- Senior vor Verletzungen bewahrt, doch seine Fitness und seine Erfolge kommen nicht von ungefähr: „Ohne Fleiß geht gar nichts!“, sagt er, „und man muss auch ein bißchen Mut aufbringen.“ So macht der Super-Senior Tag für Tag seine GymnastikÜbungen und steht im Sommer immer eine bis anderthalb Stunden auf dem Platz – täglich wohlgemerkt. In 50 Jahren hat Hussmüller nicht ein einziges Punktspiel auslassen oder aufgeben müssen. Respektabel auch seine vielen erfolgreichen Einsätze in der Herren 70 Regionalliga- Mannschaft des 1. SC Gröbenzell.

Seit 20 Jahren wohnt Hussmüller mit seiner Gattin nun hier im Speckgürtel Münchens. Und dass der Monarch des weißen Sports, wie ihn die Heimatzeitung zum Geburtstag titulierte, tatsächlich 26 Jahre älter ist als sein Wohnort, hat einen einfachen Grund: Erst 1952 entstand die politische Gemeinde Gröbenzell aus Ortsteilen der Landeshauptstadt München sowie der umliegenden Gemeinden Puchheim, Olching und Geiselbullach.